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Pro Münster e.V. und Pro Münsterland e.V.
antifaschistisch - multikulturell - integrativ |
Über pro Köln Alte Kader - neuer Mix
Das Erfolgsrezept der "Bürgerbewegung pro Köln"
Von Sina Weinreich 16.531 WählerInnen (4,7 %) machten 2004 ihr Kreuz bei der extrem rechten Bürgerbewegung pro Köln. Die Truppe um Manfred Rouhs zog mit (anfangs) vier Sitzen - und damit in Fraktionsstärke - in den Stadtrat und mit elf Sitzen in alle Bezirksvertretungen ein. Seitdem stellt der "Stachel im Fleisch der Etablierten", zu dem sich der Verein stilisiert, nicht nur für die kommunalpolitischen Institutionen Kölns ein permanentes Ärgernis dar. In Rat und Bezirken lässt die 1996 von bekannten Aktivisten der rechten Szene gegründete "Bürgerbewegung" Keine Gelegenheit aus, die so genannten Altparteien vorzuführen. Dabei nutzt sie geschickt den wachsenden Vertrauensverlust vieler Menschen in die Politik der bürgerlichen Parteien aus und bezeichnet sich selbst als einzige Oppositionsgruppe im Rat der Stadt", die "kompromisslos gegen Klüngel, Kriminalität, Multi-Kulti und den links-liberalen Zeitgeist Stellung" beziehe. Vorsitzende der Fraktion ist Judith Wolter, als Geschäftsführer fungiert Manfred Rouhs. Außerdem wurden Regina Wilden und Bernd M. Schöppe über die Liste der "Bürgerbewegung" in den Rat gewählt. Ende 2005 stieß der Ex-Republikaner Hans Martin Breninek zur Fraktion hinzu. Ebenfalls seit 2005 arbeitet der Politologe Markus Wiener hauptberuflich für die Fraktion. Als sachkompetent und verantwortungsbewusst will sich Pro Köln darstellen. Nur wenige Themen werden dabei ausgelassen: Man stellt Anträge zur "Feinstaubbelastung in Klassenzimmern" und "gegen Nachtsitzungen" des Kölner Rates ebenso wie zur "Markierung von Verkehrsinseln". Bis 2006 gab es im Rat über 90 solcher Anträge und Anfragen; in den Bezirken sogar über 100. Richtig ins Zeug legen sich die Pro Köln-Akteure aber, wenn es darum geht, Stimmung gegen Minderheiten zu schüren. Top-Themen sind die Agitation gegen Moscheen und Flüchtlingswohnheime, so genannte Klau-Kids, Junkies, die Förderung interkultureller Zentren, der Kampf gegen "Linksextremismus" usw.. Als Vorbilder dienen rechte Parteien wie die Schill-Partei oder die FPÖ. Nicht zufällig wurde der Pro Köln-Kandidat zur OB-Wahl 2001 als der "kölsche Haider" präsentiert. Das ging zwar gründlich daneben, inzwischen macht sich Pro Köln aber Hoffnungen, an Erfolge wie die des rassistischen Vlaams Belang, dessen Wahlerfolg in Belgien enthusiastisch begrüßt wurde, anknüpfen zu können: "Wir wollen natürlich erreichen, daß auch in Deutschland zweistellige Ergebnisse für nonkonforme, rechtspopulistische Gruppierungen möglich werden - allen voran in Großstädten wie Köln!", so ihr Vorsitzender Markus Beisicht. Mag das vorerst noch unrealistisch sein - ganz unbegründet sind solche Erwartungen nicht. Denn die "Bürgerbewegung" hat es tatsächlich geschafft, überall dort, wo urdeutsche Ordnungsvorstellungen Kölner Bürger beeinträchtigt werden, ein Ventil für ausgrenzende und diskriminierende Stimmungen zu bieten. Ihre AktivistInnen ziehen, einem Wanderzirkus gleich, durch die Stadtviertel und greifen immer wieder vermeintliche oder tatsächliche Missstände in populistischer Manier auf. Dabei geht es vor allem darum, ein Klima der Unsicherheit zu erzeugen mit dem Ziel, die Zahl der Mitstreiter zu erhöhen und ein potenzielles Wählerreservoir zu schaffen, das bei späteren Wahlen abgeschöpft werden kann. Nachdem Pro Köln schon in verschiedenen Stadtteilen Flugblatt- und Unterschriftenaktionen gegen Planungsvorhaben von Moscheebauten durchgeführt hatte, engagiert man sich derzeit in Köln-Ehrenfeld auf diesem Gebiet. 19.000 Unterschriften sollen bis Anfang November bereits gegen den Bau eines repräsentativen Moschee-Neubaus gesammelt worden sein. Wohlgemerkt ein Neubau, denn eine Moschee gibt es dort schon seit vielen Jahren. Wie schon bei ihren Aktivitäten gegen ein Flüchtlingswohnheim im Stadtteil Poll arbeitet Pro Köln dort eng mit einer "Anwohnerinitiative" zusammen, deren Sprecherin Marylin Anderegg in der Vergangenheit für die Republikaner kandidiert hatte, inzwischen aber Pro Köln-Mitglied ist und Ende Oktober auch als Beisitzerin in den Vorstand gewählt wurde. Solche Initiativen wie in Ehrenfeld müssen aber nicht erst von Pro Köln selbst gegründet werden. Sie entstehen oft auf Betreiben von Menschen, die meinen, ihren Unmutsgefühlen Luft verschaffen zu müssen - sei es gegen eine forensische Klinik in Porz, den Drogenstrich in Longerich oder den "Junkiebund" in Humboldt-Gremberg. Mit ihrem thematischen Fokus bieten sie Anschlussmöglichkeiten nach ganz rechts und unterliegen daher stets dem Bemühen von Pro Köln, in einem Wechselspiel aus Annäherung und Abgrenzung eingenommen zu werden. In Poll distanzierten sich die Anwohner zwar offiziell von Neonazis, machten sich jedoch die antiziganistische und diskriminierende Argumentation von Pro Köln gegen Roma und Sinti zu Eigen. Und sie hatten auch keine Probleme mit deren Mitgliedern bei Veranstaltungen. In Humboldt-Gremberg klebten sich Anhänger des lokalen "Bürgervereins" die gelbe Hand mit der Aufschrift "Mach meinen Kumpel nicht an" auf die Jacken und demonstrierten gemeinsam mit Pro Köln-Aktivisten für die Schließung eines Ladenlokals, das der "Junkiebund" dort unterhält. "Pro Köln" agiert nicht im Hintergrund, sondern zeigt sich stets vor Ort präsent. Bei einer im Mai 2006 in Ehrenfeld durchgeführten Bürgerversammlung der Bezirksvertretung zum Moscheebau, zu der mehrere hundert Menschen kamen, versuchten mehrere Dutzend Moscheebau-Gegner, darunter zahlreiche Pro Köln-AktivistInnen, immer wieder die Veranstaltung mit Zwischenrufen zu stören. Oftmals organisiert man auch eigene "Informationsabende" - wie im September 2005, als es um ein Flüchtlingswohnheim in Merkenich ging. Unter den Ratsparteien hat sich inzwischen herumgesprochen, wes Geistes Kind Pro Köln ist. Bislang bemühen sie sich weitgehend geschlossen um Distanz zur extremen Rechten. Ausschüsse wurden verkleinert, Redezeiten eingeschränkt, die Höchstzahl der Anfragen im Rat vermindert u.a.m.. Aber manchmal scheinen erste Risse in der Abwehrfront zu drohen. So z.B., als die CDU in der Porzer Bezirksvertretung mit den Stimmen von Pro Köln die Pläne einer Immobiliengruppe zum Bau eines Gewerbeparks in Poll durchsetzte, als die CDU in Kalk mit NPD und Pro Köln gegen die Straßenbenennung nach NS-Opfern stimmte oder als sich die Ehrenfelder CDU - gegen die Entscheidung von Ratsfraktion und Stadtpartei - "gegen den Bau einer Großmoschee" aussprach. Manch konservativer Politiker mag durchaus seine Sympathien für Pro Köln haben und ihr in gewissen Punkten zustimmen. Zudem peilen die "Biedermänner" von Pro Köln ein Wählerpotenzial an, das auch die bürgerlichen Parteien im Blick haben. Vor allem die ältere Generation scheint sich von den populistischen Parolen von Pro Köln angesprochen zu fühlen. Ansonsten knüpft Pro Köln an die Erfolge der Republikaner von 1989 an. In der damaligen Ratsarbeit, später spaltete sich Manfred Rouhs mit weiteren REP-Mitgliedern von der Fraktion ab und gründete die Deutsche Liga für Volk und Heimat, sammelte man die Erfahrungen, auf die Pro Köln heute aufbauen kann. Und man sammelte Adressen von InteressentInnen. Heute kann Pro Köln auf einen riesigen Adressenbestand zurückgreifen. Nach eigenen Angaben werden über 14.000 Haushalte regelmäßig mit der Fraktionszeitung von Pro Köln (Auflage: 20.000) beliefert. Mit weiteren Flugblatt- und Unterschriftenaktionen würden so - laut Pro Köln "mehrere hunderttausend pro-Köln-Druckerzeugnisse im Jahr an die Kölner Bürger gebracht". Zugute kommt der "Bürgerbewegung" dabei, dass ihr Stadtrat Bernd Michael Schöppe einen eigenen "Medienservice" betreibt. Kein Wunder also, dass Pro Köln mittlerweile so gut verankert ist. Die jahrelangen Vorarbeiten des Vereins wurden von der Lokalpresse weitgehend totgeschwiegen. Dies hat sich mittlerweile geändert. Aber so gelang es dem Verein - weitgehend unbeachtet von der demokratischen Öffentlichkeit - seine Basis zu erweitern und den Einzug in den Rat vorzubereiten. Um ihre lokalpolitische Strategie auch bundesweit erfolgreich zu machen, gründeten Pro Köln Aktivisten um Manfred Rouhs, ehemaliger Funktionär des NPD-Jugendverbandes und Herausgeber der extrem rechten Zeitschrift Nation24.de, im Januar 2005 die Bürgerbewegung pro Deutschland. Die Junge Freiheit berichtete darüber und in der neofaschistischen Zeitschrift Nation & Europa erschien eine Anzeige, in der ein Massenflugblatt zum 8. Mai 2005 beworben wurde. (Zum Tag der Befreiung von Nazi Regime und Krieg versuchte Pro Köln, nach dem Vorbild der CDU in Berlin-Steglitz-Zehlendorf eine Resolution durchzusetzen, in der deutsche Täter zu Opfern der Roten Armee und eines "sinnlosen Bombenkrieges" gemacht wurden.) Im Januar 2006 führte Pro Deutschland ein "Strategieseminar" durch. Vereinsvorsitzender Rouhs, der schon 2004 geäußert hatte, dass "das Kölner Modell" auf "jede andere Region in Deutschland übertragbar" sei, stellte auf "der gut besuchten Veranstaltung" in drei Schritten den Weg vor, den Pro Köln von 2001 bis zum Einzug in den Stadtrat zurückgelegt hatte. Dieses Konzept mache "politische Erfolge unabhängig von der oft wechselhaften oder gar destruktiven Berichterstattung der etablierten Massenmedien möglich", meint Rouhs. So seien zur Herstellung der Handlungsfähigkeit sieben Mitglieder erforderlich, um einen örtlichen Kreisverband von Pro Deutschland gründen zu können. Neben der Einrichtung von Postfach und Girokonto sei die Erstellung einer eigenen Internetseite erforderlich. Nun könnten in der eigenen Region "die seriösen patriotischen Kräfte gesammelt werden". Ehemalige Mitglieder der "klassischen politischen Parteien" seien dabei nicht ausgeschlossen, sofern sie sich "in glaubwürdiger Form" zum Programm des Vereins bekennen. Zu den regelmäßigen Treffen des Kreisverbandes sollten nur "Mitglieder sowie Personen, die als zuverlässig bekannt" seien, eingeladen werden. Nun müsse ein konkretes politisches Ziel, wie z.B. "die Teilnahme an der nächsten Kommunalwahl" gesetzt werden. Als zweiten Schritt ("Menschen binden") erläuterte Rouhs die Notwendigkeit der Themensuche. Es dürfe nicht darauf gewartet werden, bis sich ein "Thema aufdrängt, wir müssen vielmehr die Themen aktiv suchen". Zu den "interessanten Bereichen" zählt er "Multi-Kulturalismus, Kriminalitätsentwicklung, Korruption und soziale Gerechtigkeit", zu denen Meldungen im Internet erscheinen müssten. Für eine Petition an den Beschwerdeausschuss der Stadt sollten dann Unterschriften gesammelt werden, wobei die Petition auch gleich als Flugblatt in hoher Auflage verteilt werden solle. Zur Sitzung des Ausschusses sollten auch alle Interessenten eingeladen werden, die dann dort - sofern persönlich noch nicht bekannt - angesprochen werden könnten. Im Anschluss an die Sitzung werde deren Verlauf im Internet dokumentiert und kommentiert. "Die auf die Anbindung von Menschen abzielenden Petitionen" bezeichnete Manfred Rouhs dabei als "Kerngeschäft, mit dem der Erfolg unserer politischen Arbeit steht oder fällt". Die gesammelten Adressen ("unser wichtigstes politisches Kapital") müssten strukturiert erfasst werden (Mitglieder, Spender, Unterstützer, Interessenten). Bis zu viermal im Jahr sollten eigene Publikationen zu überwiegend regionalen Themen an den gesamten Adressenbestand versandt werden. Ein- oder zweimal im Jahr müssten Veranstaltungen durchgeführt werden, "bei der ein Redner des Bundesverbandes" auftritt. Der dritte Schritt, die Fähigkeit zum "Wahlantritt", sei erreicht, wenn es gelungen sei, in einem Wahlgebiet "zwei Prozent aller Haushalte in den Adressbestand aufzunehmen". Damit sei die Wahlkampffähigkeit zu 100 Prozent erreicht. Denn hinter zwei Prozent der Haushalte stünden - eine niedrige Wahlbeteiligung vorausgesetzt - rund vier Prozent der Wähler. Wer diese Hürde überspringe, habe "gute Chancen auf den Fraktionsstatus". Die "100-prozentige Wahlkampffähigkeit" müsse etwa zwölf Monate vor dem Wahltag erreicht sein, denn "aussichtslose Kandidaturen" kämen "nicht in Frage!" Die bei Erstkandidaturen notwendigen Unterstützungsunterschriften sollten über den Adressenbestand und bei Haustürsammlungen gewonnen werden. In den letzten sechs Wochen vor der Wahl müsse " eine massive Plakatierung sichergestellt werden", die von Infoständen, Flugblattaktionen und ggf. durch "zusätzliche unkonventionelle Werbemittel" ergänzt werden sollen. "Politische Abläufe", so Rouhs abschließend, würden "bestimmten Regeln" unterliegen, die "erlernt und erfolgreich angewandt" werden können, um "positive Ergebnisse zur Folge" zu haben. Als Testgebiet für den Export des Kölner Erfolgs suchte sich der Verein die Nachbarstadt Dormagen aus. Dort ging es wieder um die Verhinderung eines Moscheebaus. Pro Deutschland kündigte die Verteilung von 25.000 Flugblättern und die Gründung eines Kreisverbandes im Sommer an. In Oberhausen gründete Pro Deutschland bereits einen Kreisverband. In Frankfurt/Oder traten jüngst zwei Ratsmitglieder über. Es ist fraglich, ob sich das Konzept von Pro Köln im Schatten der NPD-Wahlerfolge bundesweit so ausdehnen lässt. Von der Rechtsentwicklung profitieren wird Pro Deutschland aber in jedem Fall. aus: LOTTA, antifaschistische Zeitung aus NRW, #25, Winter 2006 Rechtsparteien mit intensiver Bürger- und Jugendarbeit erfolgreich
"Pro Köln" im Fokus des Verfassungsschutzes
Von Rudi Rute Seit vielen Jahren versuchen Rechtsextreme die Stimmung der Bevölkerung anzuheizen und mit ihren Parteien und Bürgerbündnissen in die Rathäuser der Kommunen, in Landtage und in den Bundestag einzuziehen. Je nach bundespolitischer Großwetterlage oder regionaler Stimmung sind sie dabei mal mehr und mal weniger erfolgreich. Zweifellos ist auch der Erfolg von "Pro Köln" primär im Versagen der großen Parteien zu suchen, die sich mit einer Politik der sozialen Kälte vom unteren Drittel unserer Gesellschaft weit entfernt haben. Arbeitslosigkeit, Hartz, Niedriglöhne, soziale Entrechtung und Existenzängste, einhergehend mit der Globalisierung, aber auch profane Fremdenfeindlichkeit sind dabei die Hauptmotive ihrer Wähler. Dieses Frustpotential bedienen die Rechten mit immer größerer Akzeptanz in der Bevölkerung, sodass selbst das gezielte Werben von Jugendlichen im Umfeld von Schulen und Jugendtreffs heute ohne größeren Skandal möglich ist. Am gefährlichsten ist jedoch die intensive Bürgerarbeit der Rechten, die sie in den Vierteln und Kommunen betreiben, um als "Anwalt der kleinen Leute" zu agieren. So auch die rechtsextreme Organisation "Pro Köln", die im Kölner Stadtrat heute deshalb Fraktionsstärke hat. Immer wieder inszeniert sie Bürgerbewegungen oder greift gezielt in den Vierteln Bürgerprotest auf, um sie zu okkupieren und daraus politisches Kapital zu schlagen. Wo immer sich Protest regt, sind die Mitgliede und Funktionäre dieser "Bürgerbewegung" auch dabei und demonstrieren z.B. gegen Drogeneinrichtungen, Kliniken für psychisch kranke Straftäter, einen Straßenstrich oder gegen den Bau einer großen Moschee. Doch das gilt nicht nur für Köln, sondern mit Hilfe eines eigens gegründeten Bundesverbandes auch für andere Städte wie Dormagen, Gelsenkirchen, Oberhausen und Berlin. "Pro Köln" expandiert dabei weitgehend jenseits der öffentlichen und medialen Wahrnehmung. So haben die etablierten Parteien im Kölner Stadtrat, viele Medien und deren Chefredakteure das Problem bislang weitgehend ignoriert - in der Annahme, dass das Problem sich schon bald von alleine erledigen würde. Angesichts bundesweiter Expansionspläne von "Pro Köln" will man dieses .'erhalten offenbar ändern, wie dies von einigen Bürgern im Kölner Bürgerfunk vom Radio Club Böckler Platz schon Anfang letzten Jahres öffentlich gefordert wurde. WDR 5 berichtete vor kurzem im "Morgenecho" über "Pro Köln" und WDR-Reporter Frank Überall hatte dabei Gelegenheit Heinz Fromm, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, zum Thema zu interviewen. Fromm verwies dabei auch auf die NPD, die im Osten Deutschlands ähnlich erfolgreich arbeitet, womit er doppelt Recht hat. Der "Pro Köln"-Fraktionsvorsitzende Manfred Rouhs hat nämlich seinen Weg ins Rathaus in der Jungen Union begonnen und gründete dann - nach Mitgliedschaft in der NPD und bei den Republikanern - "Pro Köln". Zu dieser Partei sagte Fromm in der WDR-Sendung: "Es besteht die Gefahr, dass man den eigentlichen ideologischen Kern nicht mehr wahrnimmt, wenn sich solche rechtsextremistischen Gruppierungen allgemeiner Themen annehmen, im lokalen Bereich vor allem, die die Menschen interessieren. Und dass sie dann den Eindruck vermitteln "Wir kümmern uns", und dass das dann womöglich auch glaubhaft wirkt und eben die rechtsextremistische Ausrichtung nicht mehr gesehen wird." Wie sich aus dem Verfassungsschutzbericht NRW ergibt, wird "Pro Köln" vom Verfassungsschutz bereits als rechtsextreme Gruppierung beobachtet, ihr Bundesverband "Pro Deutschland" jedoch noch nicht. "Pro Köln" hat bereits einmal gegen die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht NRW geklagt aber verloren. Der Düsseldorfer Verwaltungsgerichtspräsident Reinhard Klenke erklärte am 21. Oktober 2005 laut WDR dazu: .Es gebe Anhaltspunkte für den Verdacht von Bestrebungen gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung bei Pro Köln". Die Veröffentlichungen der Vereinigung enthielten Äußerungen, die bei einer Gesamtbetrachtung darauf abzielten, Ausländer pauschal herabzusetzen." (Siehe www.wdr.de/themen/panorama/14/klage_pro_koeln/index.3html#sw01) Viel passiert ist seitdem nicht, und so bleibt zu befürchten, dass "Pro Köln" mittelfristig mit ihrer Expansionsstrategie ähnliche Erfolge haben könnte wie die NPD im Osten und politisch nachhaltig in der "Mitte unserer Gesellschaft" ihren Platz findet. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hat bereits gezeigt, dass auch im Westen ein nicht geringer Teil der Bürger gegenüber rechten Ideen offen steht, wobei allerdings an dieser Stelle die Anmerkung nicht fehlen darf, dass nicht jedes rechte Thema nur von Rechtsparteien benutzt wird. Vor Zuwanderung und Multikulti warnen auch andere Politiker, stellen Ausländer als Kriminelle dar und schüren Ängste vor Überfremdung oder Islamisierung. "Pro Köln" gibt inzwischen sogar unbehelligt eine Schülerzeitung heraus und versucht damit an junge Menschen heran zu kommen und diese über gezielte Jugendarbeit an sich zu binden. Der Kölner Sozialarbeiter Franco Clemens sagte dazu: "Gerade in Porz ist "Pro Köln" besonders aktiv, und versucht mit provokanten Demos und Aktionen in den sozialen Brennpunkten eine Spaltung der Jugendkultur zu forcieren und neue Trends zu setzen. Aufgrund des hohen Ausländeranteils in den sozialen Brennpunkten entsteht daraus jedoch gleichzeitig wieder eine Gegenbewegung, die die Gewaltbereitschaft und gegenseitige Abgrenzung unter den Jugendlichen fördert, was in den Texten der lokalen RAP- und Hip Hop-Gruppen am deutlichsten zu Ausdruck kommt". Es scheint also höchste Zeit, dass das bisherige Schweigen der etablierten Parteien zu den Themen von "Pro Köln" gebrochen wird, denn wenn Migranten ausgegrenzt und zugleich Bürgersorgen demonstrativ aufgegriffen und von einer dahinter stehenden rechten Gruppierung assimiliert werden, drängen sich beängstigende Parallelen zum Nationalsozialismus auf. Professor Jost Dülffer, Historiker an der Kölner Universität, sagte dazu im erwähnten WDF 5 Morgenecho": "So kann man das sehen. In der späten Weimarer Republik gab es gerade bei der Eroberung des platten Landes, des protestantischen in Norddeutschland, Anzeichen, dass die Nationalsozialisten sich um alle bedrohten sozialen Schichten kümmerten. Das gab es aber auch in den Städten, dass Organisationen für Handwerk, für Arbeiterschaft, für alle möglichen sozialen Belange da waren und vor Ort guckten, wie es den Leuten ging oder warum sie sich schlecht fühlten. Subjektiv empfundene Zukunftsängste könnten von rechtsextremen Gruppierungen wie in den 20er Jahren bewusst ausgenutzt werden." CDU, SPD und Grüne haben nun wenigstens damit begonnen, über den Umgang mit den Rechtsradikalen zu diskutieren. Die Linke im Kölner Rat hatte derweil auf Initiative ihres Fraktionsvorsitzenden Jörg Detjen schon letztes Jahr für die Einrichtung einer Informationsstelle über rechtextreme Aktivitäten im NS-Dokumentationszentrum gesorgt. Auf die Frage, ob er denn auch zu den Gesprächen von CDU, SPD und Grünen eingeladen wäre, sagte Jörg Detjen gegenüber der NRhZ: "ich bin noch zu keinem Gespräch eingeladen worden, davon weiß ich nichts". Auf die Ergebnisse dieser Diskussion darf man gespannt sein, zumal man soziale Defizite, Arbeitslosigkeit, Hartz-Folgen, damit einhergehende steigende Kriminalität und Gewaltbereitschaft unter benachteiligten Jugendlich nicht einfach wegdiskutieren kann, wenn man versucht, allzu Leichtgläubige von verantwortbarer Politik anstelle dumpfbackiger rechter Polemik zu überzeugen. Gleichzeitig müssen alle juristischen Mittel ausgeschöpft und die Verfassung bemüht werden, um zu verhindern, dass solche Bürger ausgerechnet in die Hände von "Pro Köln" geraten, während andere Parteien wie das Bürgerbündnis, "Gemeinsam gegen Sozialraub" oder die LINKE im Kölner Rat, sich diesem Thema glaubwürdig verschrieben haben. aus: Neue Rheinische Zeitung (online), 07.02.2007 Pressespiegel zu pro Köln: „Pro Köln“ Rüde Attacken bei Pro-Köln-Veranstaltung Polizisten geschlagen und getreten Köln - Ermittlungen gegen Uckermann Gerichtsurteil: NRW-Verfassungsschützer im Recht |